Shuttle-Probleme gefährden ESA-Projekte

Nach dem schlechten Abschneiden des neuen externen Tanks hat die NASA vorerst alle Shuttle-Flüge gestoppt. Dies hat Folgen auch für Projekte der ESA, darunter das Forschungsmodul Columbus.

Ein Beitrag von Martin Ollrom und Axel Orth. Quelle: NASA/DLR.

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Das wegfliegende Schaumstoffstück, das der NASA nun große Probleme macht. (Bild: NASA)

Gestern hat die NASA offiziell bestätigt, dass der externe Tank beim Start der Discovery mehr Schaumstoffteile verloren hat als angenommen, insbesondere ein Teil von ähnlicher Größe wie jenes, das 2003 den Absturz der Columbia verursachte. Zwar wies die amerikanische Raumfahrtbehörde darauf hin, dass bisher bei jedem Shuttle-Start solche Teile wegflogen, jedoch bekam dieses Thema seit der Columbia-Katastrophe neue Bedeutung und wird nun von den Medien ziemlich aufgebauscht. Sehr oft wird auch übertrieben. Des Weiteren zeigte sich Eileen Collins, Kommandantin der Discovery, über das Abschneiden des überarbeiteten externen Tanks leicht enttäuscht. Nach mehr als zwei Jahren Verbesserungen sollte der Tank doch besser funktionieren. Sie stellte aber auch gleich klar, dass die Discovery besser aussieht, als so manches andere Shuttle nach dem Start, was den Beschädigungsgrad der Hitzschutzkacheln betrifft. Auch das Fluggefühl sei sehr gut. Eileen Collins spricht aus Erfahrung, denn sie war bereits einmal mit einem Shuttle im All, bei Mission STS-93.

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Aufnahme des externen Tanks kurz nach dem Abkoppeln, mit markierter Ablösungsstelle. (Bild: NASA)

Auch am Boden macht sich die Enttäuschung über den externen Tank breit. Als Konsequenz daraus wird vielleicht im Jahr 2005 kein Shuttle mehr starten und eine weitere Verzögerung im Aufbau der ISS eintreten. Jede Verzögerung würde die NASA unter großen nationalen und internationalen Druck bringen. Die ESA und das DLR fordern die NASA dazu auf, ihre Versprechungen zu halten. Die NASA hatte der ESA und dem DLR versprochen, ihr Forschungsmodul Columbus im Jahr 2007 zur ISS zu fliegen. Das europäische Columbus-Modul kostet 715 Millionen Euro und wurde im Wesentlichen in Deutschland konstruiert. Ein Großteil des Moduls ist bereits fertig und muss nur noch zur ISS. Würde die Shuttle-Flotte wieder für längere Zeit ausfallen, würden sich die Starts der einzelnen Module immer mehr nach hinten verschieben. Hier könnten sich Spannungen zwischen ESA und NASA abzeichnen. Der Start der Atlantis, der für September geplant war, ist bereits auf unbestimmte Zeit verschoben worden. An Bord der Atlantis wäre auch der erste Deutsche der zur ISS fliegt, Thomas Reiter. Die NASA wies daraufhin, dass bei allen bisherigen Shuttle-Starts Schaumstoffteile wegflogen und dies auch kaum 100 prozentig unterbunden werden kann.

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