UEFA Euro 2012: Keine Übertragung …

… erfolgt durch den ukrainischen Kommunikationssatelliten Lybid. Und weil es der Ukraine zunächst nicht gelungen ist, sich für Lybid eine entsprechende Position im Geostationären Orbit zu sichern, wird der Start des Satelliten erneut verschoben.

Ein Beitrag von Thomas Weyrauch. Quelle: Eutelsat, ITAR-TASS, KB Juschnoje, Satellite TODAY, ukraine-nachrichten.de.

Der Leiter der staatlichen ukrainischen Weltraumagentur (SSAU, State Space Agency of Ukraine) Juri Alexejew äußerte am 8. Juni 2012 nach einer Meldung der Presseagentur ITAR-TASS, die Ukraine habe es verpasst, sich die eigentlich vorgesehene Position für Lybid im Geostationären Orbit zu reservieren, sie werde nun von einem französischen Satelliten besetzt.
Die Abstimmungsarbeiten hinsichtlich der neuen Position bei 48 Grad Ost im Geostationären Orbit dauerten laut Alexejew sechs Monate. Gegenüber der ursprünglichen Position bei 38 Grad Ost erlaubt die neue Position nach Alexejews Angaben eine breitere Ausleuchtung. Der Satellit könne nun nicht nur die gesamte Ukraine, sondern auch die Nachbarländer, Nordafrika und Gebiete in Asien versorgen.

Man hatte einmal erwartet, dass via Lybid die Finalrunde der Europäischen Fußballmeisterschaft (Euro 2012) übertragen werden könnte. Später verständigte man sich darauf, dass die Übertragungen über französische Satelliten erfolgen sollen. Aktuell sind auf fünf Satelliten Kapazitäten für Übertragungen der Euro 2012 gebucht. Zum Einsatz kommen EUTELSAT 3A, EUTELSAT 3C, EUTELSAT 10A, EUTELSAT 16A und EUTELSAT 33A, die es Fernsehzuschauern zwischen dem 8. Juni und dem 1. Juli 2012 ermöglichen sollen, 31 Spiele aus 8 Stadien zu verfolgen. Die Signale der Satelliten des Kommunikationssatellitenbetreibers Eutelsat können in Europa, dem Mittleren Osten, Nordafrika, auf den Inseln im Indischen Ozean sowie in Zentralasien empfangen werden.

Der Ukraine will es Eutelsat ermöglichen, Lybid nach seinem Start bei 48 Grad Ost einzusetzen, meldete der Informationsdienst ukraine-nachrichten.de. Eutelsat setzt selbst auch Satelliten bei 48 Grad Ost ein, Störungen erwartet man offensichtlich nicht. Genau das war aber hinsichtlich einer exakten Position von Lybid bei 38,2 Grad Ost der Fall, so der Informationsdienst weiter.

Seit Anfang der 1990er arbeitet man in der Ukraine am Projekt eines eigenen Kommunikationssatelliten. Der Bau von Lybid begann schließlich im Jahr 2010. Die Satellitenplattform Express-1000NT stellt der Raumfahrtkonzern Reschetnjow aus dem russischen Schelesnogorsk bereit, die Kommunikationsnutzlast liefert das kanadische Unternehmen MacDonald Dettwiler and Associates (MDA) aus Richmond, welches im Dezember 2009 einen entsprechenden Auftrag aus der Ukraine erhielt. MDA wurden außerdem beauftragt, das Bodensegment für den Satelliten aufzubauen. Neben anderer Infrastruktur soll MDA zwei Kontrollzentren für den Satelliten liefern.

Der Herstellungsprozess des Satelliten hat sich zwischenzeitlich seinem Ende genähert. Unlängst betrachtete man einen Start des Satelliten gegen Ende des Jahres 2013 als realistisch. Am 8. Juni 2012 informierte der Generaldirekor von Reschetnjow, Nikolai Testojedow, laut Satellite TODAY jedoch darüber, dass es wegen der fast anderthalb Jahre lang dauernden Diskussion über die zukünftige Position des Satelliten nicht möglich sei, einen Start von Lybid wie geplant im Jahre 2013 durchzuführen. Der Kunde, also die staatliche ukrainische Weltraumagentur, hatte laut Testojedow Probleme bei der Registrierung der künftigen Position und der Frequenzen, auf welchen der Satellit aktiv werden könnte. Mit MDA habe man sich nach Angaben von Testojedow jüngst in Kanada getroffen, um neue Pläne zu machen.

Das Konstruktionsbüro Juschnoje (KB Juschnoje) im ukrainischen Dnipropetrowsk, 1951 in der Sowjetunion als Entwurfsabteilung der Maschinenfabrik Juschnoje (PO Juschmasch) gegründet, wird nach derzeitigem Stand die zum Transport von Lybid ins All benötigte Trägerrakete des Typs Zenit-3SLBF beisteuern. Das KB Juschnoje beschreibt Lybid als Raumfahrzeug mit einer Gesamtmasse von 1.200 kg, von denen 1.037 kg auf den Satellitenbus und 163 kg auf die Nutzlastabteilung mit der Kommunikationsnutzlast entfallen. Letzere soll mit 30 Ku-Band-Transpondern für Frequenzen von 11, 12 und 14 GHz ausgerüstet werden. Die Transponder der Kommunikationsnutzlast werden laut KB Juschnoje einen Stromverbrauch von 2.894 Watt haben. Dem von zwei Solarzellenauslegern mit Strom versorgten Satelliten spricht KB Juschnoje eine aktive Lebensdauer zwischen 12 und 15 Jahren zu.

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